01.12.2011
Sechs Tage sind es noch, bis mein Flug nach Berlin abgeht. Nach dann 86 Tagen USA-Aufenthalt. American Airlines, mit denen ich gekommen bin, mit denen ich wieder nach Deutschland kommen sollte, haben gestern Insolvenz angemeldet.
Was wohl eine Erstattung der anfänglichen Kosten, die ich hatte, um ein paar Klamotten aufgrund meines Gepäck-delays zu besorgen, zunichte machen wird. So kann man sich aus einer überschuldeten Situation ganz legal seiner Gläubiger entledigen und den Endverbraucher in dessen sitzen lassen... Wie könnte ich nur so etwas hinbiegen?
So wie es hier gerade ausschaut – das Wetter ist immer noch fantastisch – schließt sich der Insolvenzkreis in Chesterfield. Ich hoffe nur, dass ich das hiesig sinkende Schiff ohne allzu großen finanziellen Verluste verlassen kann. In eine allzu kalte See zu springen habe ich jedoch keine Lust, mir hat die Atlantik-Fühlung auf Ocracoke, North Carolina, gereicht; trotz spätsommerlicher Temperaturen, war der Atlantik trotzig und aufgebracht, was uns, die wir dort zwei volle Tage auf diesem idyllischen Eiland verbringen durften, nicht daran gehindert hatte, mächtig Spaß zu haben.
Die Tage rasen nun in etwa so dahin, wie sie anfangs, in der Zeit meiner Selbstreflexion, schneckenhaft voran krochen.
Damals waren die Tage und Nächte von zweifelhaft trüben Gedanken über meine Sein, Werden und den Erwartungen in und von Berlin geprägt.
Komischer Weise änderte sich das nicht grundlegend, als sich meine Situation hinsichtlich Bekanntschaften, Zerstreuungen und Kurzweil zu verschieben begann.
Allein die Fragestellung des dafür auszuwählenden Ortes, an dem das angesprochene Sein geschehen sollte, unterlag einer intensiven atlantiküberquerenden Befindlichkeit. Und ja, die tiefe und Dauerhaftigkeit meiner Gedankengespinste nahm natürlich mit Zunahme der Bekanntschaften und der daraus resultierenden Zerstreuungen deutlich ab.
Waren meine Tage damit angefüllt, zu überlegen, was ich mir wohl so zu legen vermag,
dass ich jeden Tag etwas zu tun hatte, bin ich jetzt dabei in ein mir allzu bekanntes Zeitraster zu verfallen, das mir logistische und terminliche Höhenflüge abverlangt.
Nun, dies ist dann aber doch nicht mit dem New York City Aufenthalt zu vergleichen, der mir recht eindringlich zeigte, was es heißt auf einem Städtetrip zu sein.
Trapped in my own schedule(!) visiting all important spots.
So sehr, dass ich von Berlin als einem Dorf zu schwärmen begann und etlichen New Yorkern, dazu Alesandro, meinen Gastgeber und dieser sympathischen, Deutsch sprechenden Frau, die es dann doch wagte, mich in meiner Sprache anzusprechen, erklären musste, was es nun hieße, in einer großen Stadt, der dEUtschen Hauptstadt, zu leben und nun das Gefühl zu bekommen: es geht auch noch viel lauter und hektischer.
Aber Dank meiner Anpassungsfähigkeit in bestimmten Situationen, war ich dieser natürlich meer als gewachsen, was die folgende, paradiesische, ein Fahrrad für lau bekommen zu haben, zu einem ziemlich großen Teil begründete, da sie meinen schedule entspannte.
Als Tourguide hat man mitunter Vorteile, wie sich an jenem Donnerstag, in der Mitte meines Aufenthalts, zeigen sollte. Einen Tag nachdem ich die gebuchte Radtour durch den Central Park am Mittwoch verpasst, weil ich den Treffpunkt nicht gefunden und die Lady am Telefon mir darauf hin geraten hatte: take a cab, it only takes ten minutes, they will wait, I call to inform Bob.
Zehn Minuten? In dem Verkehr? Unfassbar, aber machbar. Ein $/min. Die Tour war aber leider schon auf und davon. Eine lange Diskussion mit den jungen Mitarbeitern der Firma "Bike and Roll" (BnR, die sind ziemlich groß und ich war auch schon in DC mit denen unterwegs) folgte und mir wurde eine Tour für den nächsten, eben für den Donnerstag, zugesagt. Die New Yorker sind entgegen aller rufmordlichen Meldungen sehr freundlich.
Sie entschuldigen sich nicht so oft für irgendwelche Dinge, die sie gar nicht zu verantworten haben. So wie ihre Landsleute in anderen Staaten. Das ist aber doch eher in Ordnung, als rufschädigend.
Wenn sie auch sehr schnell unterwegs sind. Die armen Bewohner müssen den blöden Touris, die sich vor lauter Schatten in den Straßenschluchten in irgendwelche Sonnenflecken flüchten wollen, ausweichen, weil sie auf dem Weg dorthin vergessen zu haben scheinen, dass da ja noch jemand ist, auf den sidewalks New Yorks – so wie in Berlin, nur dass ich diesmal zur Gruppe der Gaffer gehörte.
Aber ich entschuldigte mich sehr höflich und schrie der Frau hinterher, dass sie unbedingt Rücksicht auf die Touristen haben solle, da es ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für die Stadt sei und sie es sich auf keinen Fall mit den Touristen verscherzen sollte, da es NYC sonst wirtschaftlich total an den Kragen ginge. Noch mehr als ohnehin schon!
Außerdem habe Bloomberg (der Bürgermeister) die Radfahrer lieb und viel mit ihnen vor!
Zudem es kam nur einmal vor, dass mein Rad mitten im Weg war.
Selbstverteidigung. Keiner wird gerne dabei ertappt wenn er zu demjenigen wird, dessen Ignoranz ihm gehörig auf die Eier geht.
Na, weil es NYC auch nicht gerade so gut geht, wie etwa wiederum Berlin, dass ja gerade vom "Arm aber Sexy zum Reich aber Sexy" avancieren will, viele Menschen sind obdachlos, die Suppenküchen sind voll, an vielen Ecken Pappschilder "need food, work, etc.", Bettler; besser noch, sind Straßenkünstler und –artisten in den Straßen zu sehen und alle wollen immer nur Dein Geld.
Ich habe sie gesehen, die Suppenküchen in den Kirchen NYC's, nicht in Berlin bisher (zu meiner Schande). Eine Rezession, Abschwung oder eher Stagnation, wenn man sich das schönreden will, keine Jobs, obwohl immer noch sechzehn Millionen Menschen täglich zum Arbeiten nach NYC kommen.
Einschub für jetzt:
Kaum ist man mal einen Tag bierfrei, geht's am folgenden gleich wieder doppelt so bierselig weiter...
Ich war also am Donnerstag zwanzig Minuten vor der verabredeten Zeit (10am, wiederum wie in Berlin!) am richtigen (!) Ort und bekam Bob als Tourguide, einen 62jährigen, pensionierten Lehrer aus NYC, der u.a. in Florida lebte und jetzt in NYC seine Rente aufbessert. Also anders herum und der nicht zu Bushs zweiten Wahlerfolg beigetragen hatte.
A private tour, ich ganz allein, einziger Gast. Habe ich auch schon gegeben, ihm allerdings schien es Spaß gemacht zu haben, wie es das in meinem zu gebenden Falle auch scheinen sollte, aber meistens nicht so sehr tut, da das Einkommen an die Zahl der Gäste gekoppelt ist – nicht wie in Bobs Fall.
Die Tour war absolut berauschend und ich weiß jetzt, dass ich niemals zuvor mit einer Tour (zu) schnell gefahren sein kann!!!! Er hatte mir da etwas in dem Briefing, das ja anfangs immer stattfinden soll(te), mitgeteilt, über irgendwelche langsame Fahrweise.
Maybe because I'd told him I'm a tour-guide in Germany as well?
Auf jeden Fall ist er wie eine gestochene Wildsau losgefahren. Einbahnstraßen gab es gar nicht, obwohl in ganz Manhattan als einzige die 42nd St two-way ist. Übrigens schert siuch die Polizei genau gar nicht um Radfahrer, die haben Narrenfreiheit und fahren so wie es ihnen passt. Scheint irgendwie legal zu sein. Falsche Seite, entgegen der allgemeinen Fahrtrichtung, mit oder ohne Licht, Helm, Bremse: egal! Ich aber hielt deutlich sicher Schritt and he praised me for that. Er wollte mich testen. "You're a really good biker!"
Als dann er sich daran machte, mir zu erzählen, was sein Herz zur Zeit bedrücke.
Hä?? Der ADAC aus Deutschland wäre bei ihm gewesen, bis ich verstand, dass es sich nicht um die guten alten Rocker handelte, verging einige Zeit, und sie hätten eine Reportage geschrieben, dass man in NYC hervorragend Radfahren könne. Dauerte den ganzen Tag und er habe sich den Mund und deren Ohren fusselig geredet.
Leider sei sie nur in Englisch, die Reportage - und wie ich herausgefunden habe, nicht mal gut auf Deutsch geschrieben, was ja für das ADAC-Reisejournal kein gutes Aushängeschild ist – und er bräuchte sie eben in Englisch. Ob ich das nicht mal eben machen könne? Dafür bekäme ich ein Rad gratis bis zu meiner Abreise von NYC. Hab isch Ja gesacht.
So sind diese atemberaubenden Bilder ab Tag 3 in den Straßen NYC's entstanden, die Ihr, liebe Leser, viel häufiger betrachten solltet.
Die Übersetzung ging zehn Tag nach meiner Rückkehr nach Chesterfield an ihn hinaus und ich wurde sodann whole-life member of the Bike-and-Roll-family und habe, wann immer ich in eine BnR-Stadt der USA käme, dort ein Leihrad für lau.
http://bikenewyorkcity.com/submain.php?category=about&sub...
Das nenne ich Glück! Nur wann komme ich nochmals hierher???


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